Samstag, 22. April 2017

AfD-Parteitag. In Köln. Genau mein Humor.

Mir wurde gestern in einer Diskussion zu diesem Thema gesagt, wir als FDP sollen uns lieber für die Meinungsfreiheit einsetzen anstatt gegen die AfD zu demonstrieren - wie es die Kölner FDP im Schulterschluss mit anderen Parteien und Organisationen macht. Ich verstehe das Argument nicht. Was ist eine Demo denn sonst, wenn nicht gelebte Meinungsfreiheit? Natürlich setze ich friedliche Demonstrationen voraus und setze die "normalen" Teilnehmer ebensowenig mit autoanzündenden linksextremen Chaoten gleich, wie ich Fußballfans mit marodierenden Ultras und Hooligans gleichsetze. 


Aber zurück zum Thema: Meinungsfreiheit ist bekanntlich keine Einbahnstraße und es steht uns gut zu Gesicht, uns gegen völkischen Nationalismus, Isolationismus, homo-, xeno- und Islamophobie zu wenden, klare Kante gegen rechtsextremen Populismus zu zeigen. Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht, anderen nicht zu widersprechen.


Abschließend darf die Frage gestellt werden, ob die AfD, die ja nun wirklich nicht bekannt dafür ist, bei ihren Parteitagen offen für Medien zu sein, Köln bewusst und provokant mit Kalkül gewählt hat. Proteste hätte es - zum Glück - sicher überall gegeben. Im bunten Köln allerdings kann mit einer weitaus größeren Mobilisierung des Widerspruchs gerechnet werden. Kann der AfD denn etwas "besseres" als diese mediale Aufmerksamkeit passieren? 



Montag, 17. April 2017

Referendumm

Jede Demokratie hat genau die Führung, die sie verdient. 


Und ja, natürlich ist es erschreckend, wenn 63% der in Deutschland lebenden wahlberechtigten und wählenden Türken für eine Präsidialdiktatur, für die Einschränkung der Menschenrechte, für die Beschneidung der Meinungsfreiheit und für die Todesstrafe stimmen. Erschreckend, besorgniserregend und Fragen die Integration betreffend aufwerfend. Nun aber reflexartig zu fordern, dass diese 63% doch bitte direkt zurück in die Türkei sollen, zeichnet ebenfalls ein interessantes Bild über den Zustand unserer Meinungsfreiheit. Man darf das schon fordern, aber wäre das Referendum abgelehnt worden: Wäre der gleiche Ruf in Richtung feiernder "Nein-Wähler" gegangen? Vermutlich nicht. 


Übrigens: Mehr als die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken hat nicht gewählt. Ihnen ist es also weitestgehend egal, wie die Türkei regiert wird. Das relativiert die 63% dann doch deutlich. 


Welche Debatten jetzt aber unaufgeregt und ergebnisoffen geführt werden müssen, sind sicher die Themen doppelte Staatsbürgerschaft, NATO-Mitgliedschaft der Türkei, Bundeswehrsoldaten in der Türkei, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit platzende sog. "Flüchtlingsdeal" auf der einen Seite und genereller Umgang mit demagogischen Populisten und Sinn und Gefahr von Plebisziten bei Entscheidungen solcher Tragweite auf der anderen. Auch bei uns wird immer wieder der Ruf nach Volksentscheiden laut. Schlussendlich ermöglicht es einer hauchdünnen Mehrheit das Diktat über die fast ebenso große Minderheit und spaltet die Gesellschaft noch tiefer. Die Türkei steuert gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch in noch deutlich unruhigere Gewässer. Ich halte die parlamentarische Demokratie für die bessere Wahl. 


Bleibt zu hoffen, dass die Franzosen vor der bevorstehenden Wahl die richtigen Schlüsse ziehen und das türkische Referendum nicht zum Anlass nehmen, ebenfalls Populisten an die Macht bringen.

Dienstag, 4. April 2017

Er ist wieder hier

Darf man über Hitler lachen? Darf Satire alles?



Ja, durchaus. Ich habe geschmunzelt und gelacht. Schon das Buch wusste zu begeistern, der Film nimmt die großartigen Szenen des Buchs auf. Unvergessen die Szene in der NPD-Parteizentrale. Großes Kino! Dennoch ist der Film in weiten Teilen als eigenständiges Werk zu betrachten, der vor allem in der zweiten Filmhälfte immer weiter abweicht.

Bereits das Buch führte einem in beängstigender Art und Weise vor Augen, wie 1933 auch heute möglich wäre. Der Film allerdings wird im Laufe der Handlung vor allem durch den Reportagenstil deutlich unbequemer für den Zuschauer als es das Buch je sein konnte, das Lachen bleibt einem zeitweise buchstäblich im Halse stecken - und zum Ende hin gefror mir persönlich das Blut in den Adern. Wehret den Anfängen? Darüber sind wir weit hinaus... 

Die "Komödie" hinterlässt einen sehr schalen Beigeschmack und einen nachdenklichen Zuschauer. Prädikat: Buch lesens- und Film sehenswert!

Dienstag, 31. Januar 2017

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt

Die Gerüchteküche brodelt nun ja schon ein wenig länger, jetzt ist es offiziell. Ja, es stimmt, ich werde den DRK-Landesverband zum 1. Februar 2017 verlassen und als Geschäftsführer bei Ruatti Systems einsteigen.

Ich blicke dankbar auf 15 Jahre ehren- und hauptamtliche Tätigkeit in allen Verbandsstufen des DRK zurück. Eine prägende Zeit, die ich keinesfalls missen möchte. Ich gehe sicher nicht mit zwei lachenden Augen, aber mit Ende 30 muss man sich irgendwann die Frage nach der Perspektive und persönlichen Weiterentwicklung stellen. Wenn ausgerechnet in dieser Phase ein Angebot kommt, das man unmöglich ablehnen kann, dann resultiert daraus ein neuer Lebensabschnitt, auf den ich mich sehr freue!

Selbstverständlich bleibe ich dem DRK verbunden! Wie und in welcher Form ich mich einbringen kann, das wird die Zukunft zeigen. Ich bin mir sicher, dass ich mit vielen alten - und auch nicht ganz so alten - Kolleginnen und Kollegen den Kontakt halten werde!