Sonntag, 7. April 2013

Akif Pirinçci - von Felidae zum offenen Rassismus

Wer kennt die Romane um den samtpfotigen Detektiv Francis und seinen menschlichen Dosenöffner? Felidae - Der Durchbruch des türkischstämmigen Autoren Akif Pirinçci kam 1989 und war der Grundstein für weitere Katzendetektivromane. Wäre er doch bloß dabei geblieben...

Leider fühlt sich der Autor seit 2012 bemüßigt, an Henryk Broders Blog "Die Achse des Guten" mitzuwirken. Broder, der in jeder kritischen Bemerkung über Israel Antisemitismus witternd Zeter und Mordio schreiend schon den Spiegel, die Welt und andere Blätter für seine kruden Thesen missbrauchte. Die proamerikanische und antiislamische Ausrichtung seines Blogs mag nicht weiter verwundern - wohl aber ein Beitrag Pirinçcis vom 25. März 2013 mit dem Titel "Das Abschlachten der Deutschen hat bereits begonnen" Link

Die körperlichen Reaktionen auf diesen Beitrag reichen zu Beginn von einem erheiterten Schmunzeln bis zum Brechreiz, wenn der Autor Gewalt entlang sozio-gesellschaftlicher Spannungslinien zwischen den Kulturen als beginnenden Genozid beschreibt. Man lasse sich folgendes (nach der Einnahme eines Antiemetikums) auf der Zunge zergehen:

"[...] Weil es sich bei der letztmaligen Tötung eines jungen Deutschen namens Daniel S. von Türken in Kirchweyhe im Grunde um einen beispielhaft evolutionären Vorgang handelt, nämlich um den schleichenden Genozids an einer bestimmten Gruppe von jungen Männern. Dabei ist nicht einmal die Tötung selbst von Interesse, so grausam sich das auch anhören mag, sondern das “Biotop”, in dem der Genozid stattfindet. Und noch mehr dessen Folgen. Die Tat reiht sich ein in eine Serie von immer mehr und in immer kürzeren Abständen erfolgenden Bestialitäten, die zumeist von jungen Männern moslemischen Glaubens an deutschen Männern begangen werden. (Es befinden sich unter den Opfern nie Frauen. Die werden in der Regel vergewaltigt, was auch banal evolutionär zu erklären ist, aber dazu später.)"

Die Tatsache der abnehmenden Straftaten gelassen ignorierend bedient sich Pirinçci jedes negativen Klischees gegenüber muslimischen Mitbürgern. Er belässt es hierbei nicht, nein, er führt noch weiter aus:

"Das Muster ist immer gleich. Eine Gruppe oder die herbeitelefonierte Kumpelschaar umstellt das Opfer nach der Jagdstrategie von Wölfen, wobei die Delta- und Betatiere stets außen herum laufen und für das einschüchternde Jagdgeheul sorgen und das Alphatier nach und nach von der Beute Stücke abzubeißen beginnt, bis am Ende alle über sie herfallen und hinrichten. Die Zahl der solcherlei Weise ermordeten Deutschen wird von offiziellen Stellen bewußt geheimgehalten, es ist aber wohl nicht übertrieben, wenn man taxiert, daß es sich um die Opferanzahl eines veritablen Bürgerkrieges handelt."

Hoppla. Opferzahlen werden geheim gehalten. Kein Wunder, dass er die "immer kürzer werdenden Abstände zwischen den Bestialitäten" nicht weiter belegt. Wie auch, sie werden verschwiegen, aber jeder weiß davon - weiß zumindest Pirinçci auf die fehlenden Belege angesprochen. Vermutlich ein genetisches Kollektivgedächtnis der Deutschen. Es wusste auch jeder, dass die Erde eine Scheibe ist und rothaarige Frauen verbrannt werden müssen. Ungeniert zerrt und rüttelt Pirinçci an den Grundfesten unserer Gesellschaft und wittert eine Verschwörung großen Stils. Unzweifelhaft beteiligt sich sogar die Springerpresse daran, die ansonsten keine Gewalttat in allen schillernden Farben darzustellen weiß und noch nie genüsslich auf den Migrationshintergrund von Straftätern hingewiesen hat. Logisch zu Ende gedacht haben wir nach Pirinçci eine staatliche Zensur. Merkwürdig, dass die Achse des Guten noch online steht...

Dass es sich bei den Übergriffen von Migranten gegenüber Deutschen - selbstredend auch umgekehrt - um ins mediale Rampenlicht (oh, warte! Doch keine Zensur?) gezerrte Einzelfälle handelt, schließt er mit seiner Polemik jedenfalls völlig aus. Auch die Wissenschaft kommt in Pirinçcis Generalabrechnung nicht ungeschoren davon:

"Die Theorie von einfühlsamen (deutschen) Soziologen, wonach diese bestialischen Jugendlichen sich in Wahrheit als Versager und Opfer der Gesellschaft vorkämen und ihr Blutrausch ein verzweifelter Aufschrei sei, ist natürlich eine von der Migrantenindustrie, schwachsinnigen Politikern und geisteskranken linken Medienleuten bestellte Lüge, die, obwohl niemand daran glaubt, nicht einmal sie selbst, dazu dienen soll, sozusagen das öffentliche “Branding” des armen, lieben Ausländers in das Hirn der Allgemeinheit zu penetrieren. Im Gegenteil, nicht einmal ein Milliardär mit dem Aussehen eines Ryan Gosling hat so viel Selbstbewußtsein wie ein Türke oder Araber, der einem Deutschen am Bordstein das Hirn aus dem Schädel tritt."

Über den Bildungshintergrund des Autoren ist nicht sehr viel herauszufinden. Wie wissenschaftliche Methode in den Sozialwissenschaften funktioniert, davon hat er aber bewiesenermaßen keinen blassen Dunst.

Nun, spätestens jetzt sollte es niemanden weiter verwundern, dass dieser Text in den Netzwerken der Rechten verbreitet und Pirinçci als neuer Star regelrecht gefeiert wird. Wenn sogar ein Türke das über seine Landsleute sagt, dann sind wir ja über den Verdacht rassistischer und volksverhetzender Aussagen erhaben.

Jochen Grabler von Radiobremen nahm Bezug auf den Blog. Link Er zog sich damit den maximalen Unmut Pirinçcis zu, der postwendend in der Achse des Guten antwortete. Das ganze unter dem wohklingenden Titel "Mit mir nicht, Du Vollpfosten!", der offensichtlich eine Nähe zur bildungsfernen Zielgruppe des Artikels konstruieren soll. Link In bewährter Stammtischmanier wird Grabler abgewatscht. Es wird der Eindruck erweckt, dass Pirinçci aufgrund seiner ethnischen Herkunft schließlich wisse, wie der Hase läuft und Grabler

"bei all seinem Gegen-Rechts-Maulheldentum kein einziges Mal sein Radio-Bremen-Büro verlassen hat und in die von mir genannten Brennpunkte gegangen ist. Er hat leidlich ein bisschen an seinem Laptop rumgespielt, um mit Textbausteinen aus dem grünparadiesischen Schreibprogramm über solche armen, armen Mitbürger mit Migrationshintergrund wie mich herzufallen, die man auch noch auf die rechte, oh Pardon, die einzig richtige Gesinnung zu schleifen gedenkt."

Nun denn, Herr Pirinçci, ich gehe davon aus, dass auch Ihr Machwerk mittels EDV entstanden ist. Und auch wenn Sie den Eindruck erwecken, dass Sie höchstpersönlich mit jedem brennenden Müllcontainer in den sozialen Brennpunkten Deutschlands auf Du und Du sind und Sie durch extrem männlich-markige Sprüche versuchen, besonders authentisch zu wirken, erhärtet folgendes bei reflektiert und differenziert denkenden Menschen nun wirklich nicht Ihre Glaubwürdigkeit.

"Ich bin weder Eva Herman noch ein verweichlichter Deutscher, der nun den geordneten Rückzug mit allerlei Entschuldigungen antreten wird. Fickt ihr mich, ficke ich euch!"

Und auch Ihre abschließende Floskel sorgt sehr viel mehr für Erheiterung denn für Sorgenfalten auf der Stirn:

"Und nicht vergessen, im Grunde meines Herzens bin ich immer noch Türke. Also aufgepaßt!"

Ob's Ihnen schmeckt oder nicht, mit dieser Hetzschrift haben Sie sich endgültig als pseudointellektueller Demagoge aus der tiefbraunen Schublade disqualifiziert und anstatt in Dialog mit der Wissenschaft, mit der Soziologie zu kommen, werden Sie künftig höchstens ihr Untersuchungsgegenstand. In diesem Sinne, genießen Sie Ihre 15 Minuten im Rampenlicht und ziehen Sie Ihre Befriedigung aus dem Sturm der Entrüstung. Schon nächste Woche wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben.

Diejenigen, die vermeintliche Wahrheiten in Pirinçcis Schriften sehen, sollten über folgendes Motto nachdenken:

Man möge Menschen nach ihren Taten und Einstellungen bewerten und nicht aufgrund ethnischer, kultureller und sozialer Herkunft oder gar der Haut-, Haar- und Augenfarbe vorverurteilen. Oder einfacher gesagt: Für mich ist ein Mensch ein [füge beliebiges Schimpfwort ein], weil er ein [wiederhole das Schimpfwort von eben] ist. Nicht, weil er aus [füge eine beliebige Nation oder soziale Schicht ein] kommt.