Sonntag, 1. Dezember 2013

Unnützes Wissen am Sonntagmorgen über den 1. Advent


Jedes mal, wenn jemand einen schönen 1. Advent wünscht, freuen sich die Menschen im 7. Jahrhundert. Damals wurde erstmalig die Zeit vor der Geburt des Herrn gefeiert. "Advent", eigentlich "Adventus domini" bedeutet "Ankunft des Herren" und bezeichnet den Zeitraum von 22-28 Tagen mit 4 Sonntagen vor Weihnachten.

Insofern bezeichnet Advent einen Zeitraum und der 1. Advent demzufolge den ersten dieser Zeiträume. 

Daher wünsche ich euch einen schönen ersten Adventssonntag!

Dienstag, 12. November 2013

Hältst Du Vorträge oder spielst Du Powerpoint-Karaoke?



Inspiriert durch einen Artikel in "the next web" und vielfältigen Erfahrungen auf Tagungen, sowohl als Referent als auch als Teilnehmer, möchte ich mich mit dem dreckigen Dutzend beschäftigen, mit den Top 12 der Todsünden, mit denen man seine Zuhörer notorisch langweilt. Auch ich bin bei weitem nicht davor gefeit, immer wieder gegen eine oder mehrere dieser Punkte zu verstoßen. Daher ist es gut, sich diese goldenen Regeln immer wieder selbst ins Gedächtnis zu rufen.


1. Nutzt Du Powerpoint oder hast Du wirklich etwas zu sagen?

Keine Frage, Powerpoint, Prezi und Co sind prima Mittel, um einen Vortrag visualisierend zu begleiten. Wie gesagt, den Vortrag, also euch als Redner - nicht umgekehrt! Wir alle haben es sicher schon erlebt, dass sich Vortragende krampfhaft an einer Präsentation entlang hangeln und man sich fragt, ob er sich die Informationen aus den Folien holt, ob das seine eigene ist oder ob er lediglich Powerpoint-Karaoke spielt. Und wir alle wissen, wie das auf uns gewirkt hat...

2. "Tapp, Tapp, Tapp... Können Sie mich hören?"

Der Soundcheck. Wir kennen ihn alle. Vertraut euren Organisatoren einfach, die können auch etwas. Sollte das Mikrophon tatsächlich streiken, merkt ihr das auch ohne Klopfen oder "One, two, one, two...". Dann ist immer noch die Gelegenheit, sich kurz an die Organisation bzw. die Technik zu wenden. Oder selbst nachzuschauen, ob das Mikro an ist.

3. "Sorry, Leute, war eine kurze Nacht...

... ich hab Jet-Lag, bin müde, hatte noch nichts zu essen, bin erkältet, musste kurzfristig einspringen, seht mir also nach, wenn ich etwas leise rede." Nein! Eure Zuhörer entschuldigen diese oder andere lahme Ausreden, warum ihr euch nicht richtig vorbereitet habt, sicher nicht. Sie kommen zu der Veranstaltung, um euch reden zu hören, wollen eure Botschaft hören, haben u.U. sogar Geld dafür bezahlt. Auf jeden Fall aber investieren sie Zeit. Also kneift eure Backen zusammen, geht da durch und gebt Euer Bestes!

4. "Können Sie das lesen?"

Wenn ihr diese Frage stellen müsst, dann habt ihr grundlegend verkackt. Siehe Regel Nr. 1. Dann ist viel zu viel Text auf den Folien. Früher sprach man von der sog. "7er-Regel": Maximal sieben Worte in einer Zeile, maximal sieben Zeilen auf die Folie. Auch das ist in meinen Augen längst passé. Nur wenige Schlagworte, die Quintessenz dessen, was ihr sagen wollt sind zugelassen. Alles andere artet in Textwüsten auf den Slides aus und führt uns zu...

5. "Ich lese Ihnen das mal vor."

Ein absolutes no-go! Geht gar nicht! Des Lesens mächtig dürfte in der Regel jeder eurer Zuhörer sein, vorlesen langweilt also. Andererseits dürfen eure Slides erst gar nicht so viel Text enthalten, dass das Publikum großartig in die Verlegenheit kommt, länger lesen zu müssen. Niemals darf der Zuhörer mit dem Lesen des Textes beschäftigt sein, während er euch zuhören sollte. Bei aller angeblich vorhandener Multi-Tasking-Fähigkeit, aber gleichzeitig lesen, einen Text verstehen UND zuhören? Gleich drei Wünsche auf einmal? Das geht nun wirklich nicht. Wenn ihr tatsächlich einen maximal dreizeiligen Text auf euren Slides habt, bittet nach dem Aufblenden das Auditorium, diesen Text zu lesen - und haltet für eine angemessene Zeit die Klappe.

6. "Ich weiß, man kann es schlecht erkennen, aber..."

Spart's euch einfach. Wenn ihr wisst, dass Bilder, Diagramme oder ähnliches schlecht zu lesen sind - warum habt ihr sie dann überhaupt eingebaut? Geht's denn noch dilettantischer? Ein Slide muss für sich sprechen, muss ohne Erklärung ein von jedem verständliches Statement abgeben.

7. Der Klassiker: "Auf diesen Punkt komme ich später noch zu sprechen."

Wer kennt nicht die Situation: Aus dem Auditorium kommt eine Frage. Jemand hat sich den Mut gefasst, euch eine Frage zu stellen. Prima! Und was macht ihr? Ihr verweist auf später. Spannungsbogen und Motivation der Zuhörer, sich aktiv einzubringen, am Boden. Goldene Regel: "Störungen haben Vorrang!" Der Begriff "Störung" ist in diesem Zusammenhang nicht negativ belegt, sondern sogar wünschenswert. Wenn ihr zu diesem Punkt tatsächlich später noch etwas sagen wolltet, umso besser! Beantwortet die Frage gleich! Selbst wenn ihr dazu einen Slide in eurer Präsentation habt - dann springt direkt zu ihm und ermuntert eure Zuhörer, es dem Fragenden gleich zu tun.

8. "Bitte schalten Sie Ihre Handys, Laptops usw. aus."

Mal ehrlich: Wie oft haben wir diesen Hinweis schon gehört? Und wie oft hat dennoch irgendwann bei irgendwem das Handy gebimmelt? Bringt der Hinweis also irgend etwas? Den Leuten, denen das passiert, ist es peinlich genug, da geht man als Redner galant darüber hinweg. Zumal spätestens seit Siegeszug der Smartphones die Forderung, es auszuschalten, an Absurdität kaum zu überbieten ist. Es ist nunmal zwischenzeitlich normal, dass über Veranstaltungen, Reden usw. live getwittert wird, dass Slides abfotografiert werden, eventuell sogar der ganze Vortrag aufgenommen wird. Lebt damit - das ist kein Anzeichen von Missachtung euch gegenüber. Und wenn eure Zuhörer lieber ihren Facebookstatus checken anstatt euch zuzuhören, dann habt ihr ohnehin ganz andere Probleme...

9. Überlegt euch, wer euch zuhört - die Leinwand oder das Publikum? 

Es gibt durchaus Veranstaltungsorte, an denen ihr keinen Blick auf einen Monitor vor euch richten könnt, sondern lediglich einen Presenter in der Hand habt, um zu den nächsten Slides zu schalten. Ein kurzer Blick zur Leinwand muss genügen - mit der Leinwand zu sprechen, und im schlimmsten Fall dann nicht einmal ein Mikro in der Hand zu haben, führt unweigerlich zu einer deutlich sinkenden Aufmerksamkeitsspanne eurer Zuhörer.

10. Möge die Macht mit euch sein...

Aber bitte ohne Laser-Schwert, pardon... Laser-Pointer! Wenn ihr ihn einsetzen müsst, um auf einem Slide etwas zu verdeutlichen, solltet ihr euch grundlegend Gedanken über die Methodik eurer Vorträge und eurer Slides machen. Laser-Pointer sind sowas von 90er...

11. "Ich fasse mich kurz!"

Auch hier: Spart's euch einfach. Glaubt euch ohnehin kein Mensch, denn ein jeder kommt mit ein wenig Lebenserfahrung zu eurer Veranstaltung. Diese Lebenserfahrung besagt, dass diese Floskel in der Regel die Einleitung zu einem langatmigen Vortrag wird. Euer Publikum ist angereist, um euch reden zu hören. Sie haben Zeit mitgebracht. Wenn ihr der Ansicht seid, dass ihr die Zuhörer langweilt - denn nichts anderes ist das Versprechen, dass ihr mit diesem Eingangsstatement gebt - warum wollt ihr dann überhaupt sprechen? Lasst es lieber bleiben! Oder aber ihr habt tatsächlich etwas zu sagen - dann lasst euch die Zeit, die ihr braucht oder die eingeplant wurde.

12. "Meine Zeit ist zu Ende, ich habe aber noch 17 Folien..."

Abschließend verweise ich wieder auf Regel 1. Die Präsentation soll euch flankierend begleiten, während ihr euren Vortrag haltet. Daher ist weniger eben doch mehr. Gestaltet euren Vortrag so, dass er in eure Redezeit passt und noch eine Sicherheitsreserve von 10 Minuten pro Stunde beinhaltet, sodass ihr auf Fragen aus dem Publikum eingehen und von euch moderierte Diskussionen zulassen könnt. Wenn ihr noch nicht ausreichend Routine habt, dann übt das! Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Übt euren Vortrag so lange, bis ihr die Zeit abschätzen könnt, wisst, wann ihr die Slides wechseln müsst, wisst, welchen Part ihr kürzen könnt, wenn es mit der Zeit nicht hin haut. Und seid lieber fünf Minuten früher fertig als fünf Minuten später, euer Publikum wird es euch danken.


In diesem Sinne - achtet bei euren nächsten Tagungen darauf, egal ob als Teilnehmer oder Referent - ob ihr die oben genannten Punkte findet.

Freitag, 1. November 2013

Der Unsinn mit der PKW-Maut

Warum ich die PKW-Maut für eine gefährliche Mogelpackung halte:

"Der Anteil ausländischer Autofahrer am deutschen Pkw-Verkehr liegt bei nur fünf Prozent, eine Größe, die auch der ADAC bestätigt. Das würde Einnahmen zwischen 50 und 70 Millionen Euro bedeuten. Allerdings muss die Vignette verkauft und ihre Nutzung kontrolliert werden – in einem System speziell für die Ausländer. Dafür wären Schmid zufolge mindestens 50 bis 100 Millionen Euro nötig." (Cicero http://www.cicero.de/berliner-republik/streit-um-pkw-maut-die-csu-kommt-fahrt/56277)

Das weiß auch die CSU. Warum also sind sie so erpicht auf diese Maut?

Auch wenn nach derzeitigen Planungen für deutsche Autofahrer die Kfz-Steuer im gleichen Maß gesenkt wird - wer verspricht, dass es so bleibt? Ein denkbares Szenario wäre, die Maut regelmäßig kräftig zu erhöhen, somit wären auch die Inländer sehr schnell wieder auf der Verliererseite. Ein noch schlimmeres Szenario: sowohl Maut als auch die verbliebene Kfz-Steuer werden erhöht und in etwa 10 Jahren hätten wir wieder die gleichen Steuersätze wie heute. Plus PKW-Maut. Für den Staat dann ein Milliardengeschäft. Das schlimmste Szenario: Maut wird eingeführt und Brüssel kippt die Steuerentlastung - der Autofahrer wird postwendend zur noch größeren Melkkuh.

Wir brauchen keine PKW-Maut. Wir brauchen eine Abschaffung der Kfz-Steuer und eine moderate Erhöhung der Mineralölsteuer bei gleichzeitiger Erhöhung der Pendlerpauschale. Somit hätte man tatsächlich eine verursachergerechte Besteuerung. 

Samstag, 12. Oktober 2013

Philosophieecke - heute: Rousseau


Heute morgen regte die ZEIT auf Facebook zu einem - nun, ich will's mal "Philosophical Battle" nennen - an. Ich will hoffen, dass ich aus dieser Serie noch mehr lese. Folgende Aufgabenstellung wurde gegeben:

Freitagvormittag, Zeit für das philosophische Frühstück. Mit am Tisch: Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau. Obwohl es fast keins mehr gibt, streut Hobbes großzügig Salz auf sein Frühstücksei. "Der Mensch", sagt er, "ist von Natur aus ein Egoist. Darin sind wir gleich und darin liegt unser Fluch. Denn Egoisten teilen nicht gern." Rousseau greift nach dem Salzstreuer. "Geboren sind wir alle gleich, das ist wahr. Der Fluch aber ist die Kultur. Erst durch sie kommen Konflikte, Egoismus, Gewalt." Jetzt blickt er zu Ihnen: "Pardon, ich habe Ihr Salz aufgebraucht. Diese Eier sind wirklich vorzüglich!" Sie antworten? (ds)

Meine Antwort:

"Mein lieber Jean-Jacques, der bekennende Egoist, der sich als Individuum von anderen abgrenzt, der ist mir tausendmal lieber als der fundamentalistische Egalist, der sich anmaßt, für alle Menschen zu sprechen, für sie zu entscheiden, was richtig ist und damit eben doch gleicher ist alle anderen - damit der größte Egoist ist unter allen."

Ich widerspreche Rousseau tatsächlich. Nicht die Kultur ist der Fluch, wohl aber seine Idee der Gleichheit aller Menschen. Selbstverständlich sollen alle Menschen grundsätzlich die gleichen Rechte haben. Aber sie sind nicht gleich, jeder Mensch ist verschieden. Mit unterschiedlichem Intellekt, unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten, unterschiedlicher Physis und Psyche - kurz gesagt: Jeder Mensch ist ein einzigartiges und freies Individuum und von Natur aus, genau wie Hobbes sagt, ein Egoist. Dies ist in meinen Augen nicht negativ zu betrachten, da der Egoismus stets zum Streben nach höherem führt und von moralischen und ethischen Grundsätzen geleitet, damit auch die Gesellschaft voranbringt. Die Idee - nein, die Illusion von der Gleichheit aller Menschen beschränkt das Individuum, führt zu Kollektivismus, führt zur Bevormundung. Diejenigen, die das propagieren, stellen ihre eigenen Maßstäbe über die Freiheit des Individuums, die erst da enden sollte, wo die Freiheit anderer beschränkt wird. 



Freitag, 13. September 2013

Star Trek: Wie die Fiktion die Realität beeinflusst

Ein sehr schöner Artikel in der FAZ, wie Star Trek uns alle in gewisser Art und Weise beeinflusst: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/star-trek-und-die-nsa-datenmissbrauch-nicht-mit-captain-kirk-12571024.html

Ein bemerkenswertes Zitat aus dem Aufsatz: "Wir brauchen wieder positive Science-Fiction. Wir brauchen eine erstrebenswerte Zukunftsvision. Eine, die wie „Star Trek“ Werte wie Humanismus und Gerechtigkeit hochhält. Aber auch eine, die zeigt, wie eine Gesellschaft ohne Bürokratie, ohne Unterdrückung, ohne Armut und ohne Geheimdienste funktionieren kann. Und nicht nur funktionieren kann - sie muss klar überlegen sein!"

Achtung, jetzt folgt das ultimative "Nerd-Outing": 

Ich denke, dem Autoren kann man getrost attestieren, sich nicht vertiefend mit dem Star Trek-Universum beschäftigt zu haben. Die Sternenflotte unterhält tatsächlich einen Geheimdienst, dieser spielt insbesondere bei TNG und DS9 immer wieder eine zumeist unrühmliche Rolle. Das zeigt aber lediglich, dass die Autoren nach Roddenberry eben doch Kinder ihrer Zeit sind und der heutige Zeitgeist Einfluss auf die Fiktion nimmt. Am deutlichsten leidet die bis dato eher positive Utopie in den letzten Kinofilmen der TNG-Ära. 

Trotzdem: Eine Einflussnahme auf die Entwicklung der Naturwissenschaft ist Science Fiction nicht abzusprechen. Auch auf die gesellschaftliche Entwicklung hat dieses Genre, natürlich nicht nur Star Trek, großen Einfluss. Als Orwell 1949 "1984" schrieb, prägte er das Misstrauen aller folgender Generationen gegenüber dem Staat. "Big Brother is watching you" ist nahezu jedem ein Begriff und das Sinnbild schlechthin für einen totalitären Überwachungsstaat. Insofern muss Science Fiction nicht zwingend eine positive Vision der Zukunft zeichnen um Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. 

Aber um auf Star Trek zurückzukommen: Den Erfolg verdankt die Serie in meinen Augen tatsächlich nicht zuletzt den moralischen Grundwerten und der ethischen Integrität der Hauptprotagonisten. Unvergessen die Folge aus TOS, als Cpt. James T. Kirk Lt. Uhura küsste. Ansonsten absolut undenkbar in den 60ern, dass ein Weißer eine schwarze Frau küsst. Zwar geschah das in dieser Folge durch äußeren Zwang, dennoch seinerzeit ein Skandal in den USA. Unvergessen die Episoden in TNG, in denen Cpt. Picard als interplanetarer Archäologe aufdeckt, dass alle humanoiden Spezies gemeinsame Wurzeln haben und dem heutigen Zuschauer die Absurdität von Rassismus vor Augen führt. 

Dem Grundfazit des Artikels stimme ich zu: Star Trek verkörpert eine Zukunft, in der ich gerne Leben würde. Sowohl in technischer als auch in gesellschaftlicher Sicht. 

In diesem Sinne: Live long and prosper!


Montag, 15. Juli 2013

Politisch korrekte Kinderbücher

Der eine oder andere mag sich an die Diskussion erinnern, die Anfang des Jahres die Kultur- und Literaturteile großer deutscher Tageszeitungen beherrschte. 

Darf Pipi Langstrumpfs Vater ein Negerkönig sein? Darf man heutzutage noch von Zigeunern sprechen? Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker sahen sich ebenso dem pseudomoralischen Sturm des Entsetzens ausgesetzt wie Otfried Preußlers "Die kleine Hexe", die ja schließlich "Negerlein" trifft. 

Warum ich das heute schreibe? Seit einigen Tagen lese ich meinem Filius jeden Abend ein paar Seiten aus Michael Endes "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" vor. Beim Vorlesen habe ich mir heute fast einen Knoten in die Zunge gemacht, denn in politisch korrektem Neusprech hätte ich folgende Geschichte erzählt:

"Frau Waas öffnete sie, und da lag in der Schachtel - ein kleines Baby mit sehr dunkler Haut! Es schaute alle Umstehenden mit großen glänzenden Augen an und schien ziemlich froh zu sein, dass es aus dem ungemütlichen Karton herauskam. "Ein Baby!" riefen alle überrascht, "ein maximalpigmentiertes Baby!""Das dürfte vermutlich ein kleiner Mensch afrikanischer Abstammung sein", bemerkte Herr Ärmel und machte ein sehr gescheites Gesicht." 

Man möge mir verzeihen, dass ich beim Vorlesen beim Original geblieben bin. Die Abenteuer von Jim Knopf haben mich durch meine Kindheit begleitet und ich liebte diese Geschichten. Ohne mich zum Rassisten zu machen. 


Samstag, 6. Juli 2013

Europarat will "Vater" und "Mutter" abschaffen

Der Rat in Straßburg will Sexismus bekämpfen und rät zu geschlechtsneutraler Sprache. Es gibt bizarre Ersatzvorschläge.

Im Kampf gegen geschlechterspezifische Diskriminierung setzt der Europarat auf die Sprache. Der in Straßburg tagende Rat empfiehlt seinen 47 Mitgliedsstaaten, in ihren Behörden eine "nicht sexistische Sprache" zu verwenden. Die Darstellung von "Frauen zu Hause" sei ein traditionelles Rollenbild, das die Gleichstellung der Geschlechter hemme, heißt es in einer Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Rates.

Der Anstoß für die Forderung kam aus der Schweiz: Die sozialistische Schweizer Nationalrätin Doris Stump verlangte nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung wörtlich, dass Frauen nicht mehr "als passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte" dargestellt werden sollten.

Und der Alpenstaat ist auch schon vorbildlich in der Umsetzung. In der Hauptstadt Bern werden grundsätzlich "geschlechtsabstrakte Personenbezeichnungen" bevorzugt. Im Klartext heißt das: "Flanierzone" statt "Fußgängerzone", "Elternteil" oder (seltener) "Elter" statt "Vater" oder "Mutter".

http://www.welt.de/politik/ausland/article9339873/Europarat-will-Mutter-und-Vater-abschaffen.html

Ja ist denn schon wieder Sommerloch?

Wie stehen denn die Frauen dazu? Darf man überhaupt noch Frauen sagen oder muss man im genderesierten Neusprech nun von Menschinnen oder gar Doppel-X-chromosontragenden Menschen sprechen?

Dienstag, 2. Juli 2013

PRISM? Mir doch egal, ich habe doch nichts zu verbergen!

Diese Einstellung darf man haben, muss man aber nicht. Sie zeugt einfach davon, dass es einem piepegal ist, wenn man zum gläsernen Bürger wird. Es ist ja schließlich egal, wenn der Staat über mein Konsumverhalten, meine angesurften Internetadressen, meine private Korrespondenz via E-Mail, SMS, whatsapp und bei Ausspähung meines Rechners auch noch über meine postalischen, nicht handgeschriebenen Briefe, meine Bewegungsprofile und meine Kontobewegungen Bescheid weiß. Denn, wer nichts zu verbergen hat, hat ja auch nichts zu befürchten. Ich schon. Ich habe durchaus eine Menge Dinge zu verbergen. Ich habe nicht grundlos Kleidung an und habe Vorhänge an den Fenstern. Was in meinen vier Wänden passiert, geht niemanden etwas an, erst recht nicht staatliche Exekutivorgane. Wenn ich mit meinem islamischen E-Mail-Freund Auwal Muhammad Nachrichten über Facebook austausche, möchte ich nicht automatisch in Verdacht geraten, Terroristen zu unterstützen.

Himmelherrgottnochmal, wo wart ihr eigentlich alle in der Schule? Hattet ihr 1984 nicht als Pflichtlektüre? Seid ihr echt der Ansicht, dass der Spruch "Big brother is watching you" von RTL II geprägt wurde? Wo wart ihr, als im Geschichtsunterricht die Methoden der GeStaPo und der StaSi behandelt wurden? Ist euch nicht klar, welche Gefahr im "gläsernen Bürger" steckt?

Es geht hier schlussendlich um genau zwei Dinge: Das Ende der Privatsphäre und der Unschuldsvermutung. Wer sich mal ein wenig mit den Methoden der Rasterfandung und der zu Grunde legenden Algorithmen befasst (netter ZEIT-Artikel), dem wird klar, dass jeder in den Fokus der Exekutivorgane kommen kann. Unbescholtene Bürger werden unter Generalverdacht gestellt. Einen passenden Vergleich habe ich neulich gelesen: Stellt euch vor, ein terroristisches Netzwerk hat nach neuesten geheimdienstlichen Erkenntnissen brandneue Codewörter eingeführt. Anschlag heißt nun "Party" und Bombe heißt "Erfrischungsgetränk". Malt euch selbst aus, was passiert, wenn ihr via Mail, SMS, Facebook o.ä. zu einer Party eingeladen und gebeten werdet, Erfrischungsgetränke selbst mitzubringen.

Das Risiko, aus welchen unscheinbaren Gründen zu Unrecht in einer Antiterrordatei zu landen, ist mittlerweile ein sehr reales. Mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. Einreiseverbot in einige Staaten mag noch die harmlosere sein, der nächtliche Besuch eines SEK nicht.

Hierzu ein kleiner Witz, der zwar schon etwas älter ist, aber sozusagen tagesaktuelle Brisanz bekommen hat:
Ein alter Araber lebt seit mehr als 40 Jahren in Chicago. Er würde gerne in seinem Garten Kartoffeln pflanzen, aber er ist allein und alt und schwach. Sein Sohn studiert in Paris. Deshalb schreibt er eine E-Mail an seinen Sohn: 

"Lieber Ahmed, ich bin sehr traurig, weil ich in meinem Garten keine Kartoffeln pflanzen kann. Ich bin sicher, wenn Du hier wärst, könntest du mir helfen und den Garten umgraben. Ich liebe Dich. Dein Vater."

Prompt erhält der alte Mann eine E-Mail: "Lieber Vater, bitte rühre auf keinen Fall irgendetwas im Garten an. Dort habe ich nämlich 'die Sache' versteckt. Ich liebe Dich auch. Ahmed."
Keine sechs Stunden später umstellen die US Army, die Marines, das FBI und die CIA das Haus des alten Mannes. Sie nehmen den Garten Scholle für Scholle auseinander, suchen jeden Millimeter ab, finden aber nichts. Enttäuscht ziehen sie wieder ab. Am selben Tag erhält der alte Mann noch eine E-Mail von seinem Sohn: "Lieber Vater, sicherlich ist jetzt der Garten komplett umgegraben, und du kannst die Kartoffeln pflanzen. Mehr konnte ich nicht für Dich tun. Ich liebe Dich. Ahmed"

Mir ist durchaus klar, dass die Diskussion in Zeiten von Sozialen Medien, Facebook, Twitter und Co. ein wenig schizophren wirken kann. Allerdings bin ich bei den sozialen Medien selbst dafür verantwortlich, welche Daten ich freiwillig preis gebe. Wer da regelmäßig Bilder vom letzten Saufgelage hochlädt, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Nichtsdestotrotz sehe ich das alles - zumindest bis zur aktuellen PRISM-Diskussion - noch halbwegs entspannt, denn bei Facebook weiß ich, wozu die Datenerhebungen genutzt werden: Social-Media-Unternehmen möchten zielgruppenorientierte Werbung verkaufen. Das schlimmste, was mir also bis dato passieren konnte, war demzufolge, dass ich Werbung zu sehen bekomme, die mich tatsächlich interessiert.

Wofür der Staat allerdings diese Daten benötigt oder gar benutzen könnte, darüber sollte sich jeder, der mit offenen Augen seine Umwelt wahr nimmt, selbst einmal Gedanken machen. Wir werden in unseren Freiheiten immer weiter beschnitten, und das zu Gunsten einer trügerischen Sicherheit. Ich halte das für einen bedenklichen Trend...

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Montag, 1. Juli 2013

Freiheit

Freiheit... Was verstehen wir darunter? Für mich geht die Freiheit des Individuums über alles andere hinaus und endet erst dort, wo die Freiheit eines anderen Individuums beschnitten wird. Dementsprechend bin ich sehr skeptisch, was staatliche Überregulierungswut, blindwütige Verbote, Strafsteuern auf "unerwünschtes Verhalten" usw. angeht.

Hier das beste, was ich zum Thema "Freiheit" bislang gelesen habe - wohl wissend, dass es nicht die gelebte Realität, aber ein in meinen Augen zu erreichendes Ideal darstellt:

Das, was wir dann Staat nennen, ist ein reduzierter Staat. Reduziert auf das Erlassen allgemeiner Regeln, des äußeren Schutzes und des Rechts. Wir brauchen, und das mag manchen überraschen, die Autorität des Staates nicht als Hilfe, sondern als Macht. Als Gewaltmonopolist, nicht als Fürsorger; als Macht, die die Entwicklung freiwilliger und geordneter Formen des Zusammenlebens ermöglicht. Der nur all jene Wege zu diesem Ziel ausschließt, die mit Zwang verbunden sind. Der insofern "gleichgültig" ist gegenüber den verschiedenen Wegen zum gelungenen Leben, so es nicht die Rechte eines anderen verletzt. Er muss gegenüber der frei gewählten Lebensführung seiner Bürger peinlich neutral sein.
Dieser Staat ist Methode, nicht Inhalt. Er darf verwalten, nicht regieren. Er lehnt "politische Führung" ab. Er hat kein eigenes "Interesse". Er will weder erziehen noch geistig lenken. Er will den Bürger nicht anreizen, nicht manipulieren, nicht verführen. Das Gemeinwohl wird nicht durch staatliche Lenkung hergestellt, sondern durch das lebenspraktische Wirken der Bürger. Wir Bürger sind in ihm Individuen, die von niemandem als Mittel zum Zweck benutzt werden dürfen. Wir Bürger sind in ihm nicht Objekte seiner Beeinflussung, sondern Subjekte unseres eigenen Handelns. Er gesteht auch jedem Bürger zu, seine eigenen Fehler zu machen. Dieser Staat behandelt uns mit Gelassenheit, er hält Distanz, ist zurückhaltend, mischt sich nicht ein. Er orientiert sich an drei Kriterien: Respekt! Respekt! Respekt! Er lässt uns unser Leben selbst entscheiden, wie und mit wem wir auf welche Weise zusammenleben wollen, welche Idee vom guten Leben wir dabei verfolgen und welche Menschen uns dabei freiwillig helfen wollen. Er vertraut unseren Fähigkeiten zur Problemlösung. Es geht ihm vor allem darum, möglichst jeden Menschen so leben zu lassen, wie es ihm oder ihr gefällt. Dieser Staat hat im Privatleben der Bürger schlicht nichts verloren.
Sprenger, Reinhard K.: An der Freiheit des anderen kommt keiner vorbei, Campus Verlag, 1. Auflage, 2013



Donnerstag, 27. Juni 2013

Mythos Gender-Pay-Gap und Frauenquote

Ich halte die Diskussion um die Frauenquote für ähnlich unsinnig wie um die angebliche "gender-pay-gap".
Schauen wir uns diese ungerechte Bezahlung und die zu Grunde liegenden statistischen Zahlen mal genauer an: Natürlich klingt es erst einmal sehr diskriminierend, wenn die Bruttostundenlöhne aller Frauen im Schnitt um 22% unter den Bruttostundenlöhnen der Männer liegt. Skandalös! Grund genug für Feministinnen auf die Straße zu gehen!

Was sagt diese Zahl aber aus? Nichts. Rein gar nichts. Das hatte zwischenzeitlich sogar die SPD erkannt, heutzutage spricht man von einer sog. "bereinigten gender-pay-gap", in dem Variablen wie Bildung, Alter und Berufserfahrung mit einberechnet werden. Es ist nunmal ein Fakt, dass weit mehr Männer als Frauen in den klassischen Berufen mit höheren Einkommen tätig sind und weit mehr Frauen beispielsweise im sozialen Bereich tätig sind, der ja nun nicht gerade dafür berühmt ist, Reichtümer zu erzeugen. Interessanterweise spricht man bei der bereinigten gender-pay-gap auf einmal nur noch von 8% Gehaltsunterschied, das ist empirisch belegt. Nun wird wiederum argumentiert, dass diese 8 % aber ausschließlich durch Gehaltsdiskriminierung hervorgerufen werden.

Blödsinn, sage ich da nur.

Die Sachverständige der Bundesregierung zu diesem Thema, Dr. Christina Boll, belegte diese bereinigte gender-pay-gap in einer schriftlichen Stellungnahme an den Bundestag mit diversen Grafiken. Unter anderem stellt sie mit dieser Grafik aber auch einen Vergleich zwischen "Karrierefrauen" und "Müttern" auf, wobei ich diese Unterscheidung bzw. die Benennung der Kriterien schon für sehr fragwürdig halte, da dies impliziert, dass Mütter keine Karrierefrauen und Karrierefrauen keine Mütter sein können:

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Was Frau Dr. Boll hierbei aber offenbar entgangen ist: Sie widerlegt den Mythos der diskriminierenden gender-pay-gap. Und zwar vollständig. Eigentlich offenbart sie die Tatsache, dass hier in diesem Fall die Gaps, die Lücken überall weitaus größer als 8 % sind. Hier wird also nicht diskriminiert, es wird in aller erster Linie der Berufserfahrung Rechnung getragen. Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, das ist einfach nur eine gerechte Entlohnung durch den Arbeitgeber. Man kann von einem Arbeitgeber meinem Erachten nach nicht erwarten, dass er Frauen gegenüber Männern besser stellt, indem diese für weniger Berufspraxis und somit in der Regel weniger Produktivität das selbe Entgelt erhalten. Im Übrigen bedeutet dies natürlich auch, dass die Worte "Karrierefrau" und "Mütter" beliebig gegen die Worte "Karrieremann" und "Vater" ersetzt werden können, sofern die Väter zu Hause bleiben. Dass das in der Gesellschaft nach wie vor eher die Ausnahme darstellt, ist nicht die Schuld von Unternehmen und Wirtschaft. Insofern ist hier keine geschlechterspezifische Diskriminierung zu erkennen.

Es ist die individuelle Lebensentscheidung eines jeden Einzelnen, wo er seine Prioritäten legt. Wenn diese beim Beruf liegen, ist er demzufolge entsprechend erfolgreicher, wenn diese bei der Familie liegen, wird dieser Tatsache seitens der Unternehmen Rechnung getragen - sofern nicht ohnehin ein tarifvertragliches Regelwerk zu Gunde liegt.

Das wird bei dieser Diskussion übrigens völlig übersehen. Rund die Hälfte aller Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet im Einzugsbereich eines Tarifvertrags. Hier ist von vorneherein eine geschlechterspezifische Diskriminierung ausgeschlossen. Ich habe in keinem Tarifvertrag jemals eine Unterscheidung zwischen Männlein und Weiblein gesehen, wenn es um die Entlohnung geht.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Die Frauenquote. Wird diese benötigt? Wenn man obiger Argumentation folgt, wird auch sehr schnell ersichtlich, warum verhältnismäßig wenig Frauen in Aufsichtsräten und sonstigen Chefetagen sitzen. Zum einen darf auch hier wieder davon ausgegangen werden, dass unter den Gesamtarbeitnehmern der Anteil der Männer mit der entsprechenden Qualifikation höher ist. Wenn man nun weitere Faktoren wie Familienplanung, Berufserfahrung und ähnliches zu Grunde legt, stellt man auch sehr schnell fest, dass die bisherige Quote eigentlich zwingend logisch und notwendig ist. Es ist eine interessante Tatsache, dass sich viele Frauen, die Spitzenpositionen erreicht haben, vehement gegen eine dementsprechende Quote wehren.

In meinen Augen ist das ein extrem emotional aufgeladenes Thema, das durch Feministinnenbewegungen, Gendermainstreaming und dergleichen mehr massiv gepushed wird. Ich bleibe bei meiner Ansicht: Quote macht nicht kompetent und es gibt keine geschlechterspezifische Diskriminierung.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg...

... und verschwand. Schon alleine der Buchtitel ist eine Auszeichnung wert! 

Jonas Jonassons humoristischer Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. 



Die Story möchte ich nur in Kürze wiedergeben. Am Tag seines 100. Geburtstags büchst Allan Karsson aus dem Altersheim aus. In zwei Erzählsträngen, kapitelweise abwechselnd, wird das aktuelle Abenteuer und sein bisheriges Leben beleuchtet. Vor allem in den Rückblenden geht es im Schweinsgalopp durch die letzten 100 Jahre der Weltgeschichte. Allan trifft eine erstaunliche Anzahl an historischen Persönlichkeiten. Was ihn mit Stalin, Churchill, Mao und vielen anderen verbindet und wie er immer wieder Einfluss auf die Geschichte nimmt, was er zu Oppenheimers Bombe beigetragen hat, das empfehle ich wärmstens selbst zu lesen. 

Jonasson schafft es, jede Situation mit trockenem, bisweilen makabren Humor darzustellen. Die Pointen sind gezielt gesetzt, die Geschichte stellenweise völlig absurd und daher nicht im geringsten vorhersehbar. Der Sprachstil ist leicht und geradezu spritzig, immer wieder auch mit umgangssprachlichen Ausdrücken gespickt, die den Charakteren eine sehr hohe Authentizität verleihen. 

Für mich das beste Buch, das ich die letzten 12 Monate gelesen habe. 

5 von 5 Eselsohren!

Mittwoch, 19. Juni 2013

#Neuland

Wie bemerkte Merkel eben bei Obamas Besuch?

"Das Internet ist für uns Neuland." 

Stimmt. Seit weit über 20 Jahren...

So weit, so lustig. Leider geht das Zitat noch deutlich weiter: "Und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung natürlich, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu Leben in Gefahr zu bringen. Und deshalb schätzen wir die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika in den Fragen der Sicherheit."

Verzeihen Sie, liebe Frau Bundeskanzlerin... Haben Sie in den vergangenen Tagen noch etwas anderes getan, als hinter verschlossenen Türen am CDU-Wahlprogramm gefeilt? So z.B. die Pressemeldungen zu PRISM, NSA, Ausspähung ohne richterliche Beschlüsse usw. verfolgt?





Ich empfehle unserer Kanzlerin, sich einfach mal dieses kurze "Erklärvideo" anzuschauen. Man achte auf das Datum...

Donnerstag, 30. Mai 2013

Vom Demokratieverständnis der AfD

Von der AfD auf deren Facebookseite für Kommentare gesperrt zu werden: Unbezahlbar!

Es offenbart sich ein sehr seltsames Demokratie- und Partizipationsverständnis dieser Partei, die für mehr direkte Demokratie einstehen will.

Das alles übrigens nur, weil ich zum unten angeführten Statement der AfD angemerkt hatte, dass die Partei ein interessantes Familienbild von Frauen am Herd zu haben scheint, wenn sie gegen den Ausbau von Kindertagesstätten ist. Der Kommentar wurde übrigens auch gelöscht.

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Kinder sollen möglichst früh in die Kita, die Mütter ganz schnell wieder an den Arbeitsplatz – so der Plan der Bundesregierung. Ein solches Familienbild halten wir für zerstörerisch. Denn für die Kleinen ist so ein Leben ein furchtbarer Stress, der sie chronisch krank machen kann. Kinder gehören in erster Linie in ihre Familie! 
(Bild und Kommentar AfD-Facebookseite 30. Mai 2013, 10:50 Uhr)
Gerne hätte ich das ganze noch weiter ausgeführt - durfte es aber nicht... In der Regel stellt sich die Frage bei den meisten berufstätigen Müttern tatsächlich nicht wirklich, ob sie wieder arbeiten gehen oder nicht - es ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit, dass spätestens mit Auslaufen des Erziehungsgeldes beide Elternteile am Broterwerb mitwirken. Kinder muss man sich heutzutage wirklich leisten können.

Dennoch möchte ich für erwerbstätige Mütter eine Lanze brechen, selbst wenn die finanzielle Notwendigkeit nicht gegeben sein sollte. In skandinavischen Ländern versteht man unsere Diskussion nicht. Es ist z.B. in Dänemark und Schweden gang und gäbe, Kinder nach dem 1. Lebensjahr in eine Tagesstätte zu bringen. Empirische Sozialforschung über Sinn und Zweck, Vor- und Nachteile für die Kinder gibt es in Deutschland zu dieser Thematik wenig. Emotionsgeladen wird diskutiert, dass es Kleinkindern Schaden würde, Vertrauensbildung gestört wäre und derlei mehr.

Kinder zu bekommen ist eine individuelle Lebensentscheidung. Aber eben auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Wenn nun im Rahmen der Feminismusdebatte und der gender-pay-gap mit allen Folgen, die meinem Erachten nach bereinigt nichts anderes als die manifestierte Konsequenz dieser Lebensentscheidung darstellen, seitens einer Partei im Einklang mit der katholischen Kirche (siehe Kardinal Meisner vor zwei Wochen) derartige Töne angeschlagen werden, ist das kontraproduktiv und zeigt, dass das klassische Rollenverständnis von Frauen (Kind, Küche, Haushalt), doch noch sehr weit verbreitet ist.

Es tut mir leid, das ist fernab jeglicher gesellschaftlicher Realität. Mit Statements wie den oberen stigmatisiert die AfD berufstätige Mütter zu Rabenmüttern. Und das sind sie ganz gewiss nicht.

Samstag, 18. Mai 2013

Inferno - Dan Brown

Der vierte Band nach Illuminati, Sakrileg und das verlorene Symbol um den Hauptprotagonisten Robert Langdon entführt uns in das Reich von Dantes göttlicher Komödie. In die neun Kreise der Hölle, in die Welt der sieben Todsünden, des Fegefeuers und des schwarzen Todes. Nach Florenz und nach Venedig - wer die Städte kennt, wird durch die Atmosphäre des Romans eingefangen. 

Ich möchte nicht all zuviel über den Inhalt verraten, da das Buch ja erst vorgestern erschienen ist. Im Gegensatz zu den ersten drei Büchern mit eher kirchlichem Hintergrund bzw. mit Geheimbünden und ähnlichem konfrontiert uns Dan Brown dieses mal mit einer ethischen Frage: Können wir es uns in Zeiten zunehmender Weltüberbevölkerung überhaupt noch leisten, gegen Seuchen, Pandemien und Naturkatastrophen vorzugehen? Was ist wahrer Humanismus - der zum Scheitern verurteilte Versuch jedes Individuum zu retten oder die menschliche Spezies als solches?

Brown hätte aus dieser Thematik sicher mehr herausholen können und ist vom wissenschaftlichen Standpunkt her nicht ganz up to date. Dennoch ein solider Thriller mit gutem Unterhaltungswert und einigen leider zu vorhersehbaren Wendungen. An Illuminati und Sakrileg reicht das Buch nicht heran, das verlorene Symbol schlägt es aber um Längen. 

Drei von fünf Eselsohren  


Donnerstag, 2. Mai 2013

Onomatopoesie

Ich danke der WELT für diesen Artikel.


1. Ich habe ein neues Fremdwort gelernt: "Onomatopoesie" - Eindeutig ein heißer Anwärter auf mein persönliches Fremdwort des Jahres 2013!

2. habe ich herrlich über diese Passage gelacht: "Ein Blogger meint, dank seiner Pornografieabstinenz habe er zum ersten Mal bewusst die Vögel singen hören."

3. habe ich gelernt, dass Internetpornografie für die menschliche Rasse existenzbedrohender ist als Atombomben. - Mir persönlich wäre es zwar deutlich lieber, würden die Amerikaner auf letzteres verzichten anstatt sich in "manueller Abstinenz" zu üben, aber hey, wer bin ich, der WELT zu widersprechen?

http://www.welt.de/vermischtes/article115805954/Warum-Amerikaner-nicht-mehr-selbst-Hand-anlegen.html

Freitag, 19. April 2013

Vodafone - eine Trennung mit Hindernissen

Liebes Vodafone-Team,

ich weiß, ich weiß... Trennungen tun mindestens einem Beteiligten in der Regel weh. Beiden tut's weh, wenn der Verlassene beiden das Leben schwer macht.

Aber lasst mich die Gründe, die zur Trennung geführt haben, nochmals kurz der Reihe nach rekapitulieren: Ich bin seit 1996 Kunde bei euch, damals hattet ihr noch den klangvollen Namen Mannesmann D2. Ich war und bin im Mobilfunkbereich sehr zufrieden mit euch und als ihr mich vor ein paar Jahren gefragt habt, ob ich auch im DSL/Festnetzbereich mit euch gehen will, habe ich spontan ja gesagt und mit der Telekom Schluss gemacht.

Nun ja, es war damals schon ein etwas holpriger Start in unsere Festnetzbeziehung. Die Portierung der Nummer, die Freischaltung, der Kundenservice an der Hotline... Alles nicht so reibungslos, wie ich es vom Mobilfunk im Businessteam gewohnt war. Aber was soll's, irgendwann lief es ja halbwegs zufriedenstellend. Vor drei, vier Wochen rief mich ein Call-Center-Agent an und teilte mir mit, dass mein Festnetzehevertrag mit euch bald auslaufen würde. (Übrigens vielen Dank für die Erinnerung, ich hätte es vergessen.) Euer Mitarbeiter schwärmte mir in den höchsten Tönen von Vodafone-TV vor. Ich würde einen digitalen Satellitenreceiver erhalten. -Hm... Habe ich schon... Mit Festplatte! - Habe ich leider auch schon... Mit 29 kostenfreien HD-Kanälen! - Eieiei... Damit hatte er mich. Das habe ich tatsächlich noch nicht. Das ganze mit einer 16.000er DSL-Leitung für 34,95€ im Monat. Ein gutes Angebot, wie ich fand.

Nun, kurz nach Ostern kam das ersehnte Paket. Hoch erfreut habe ich das stylische Gerät ausgepackt und angeschlossen. Die erste Irritation: Warum ist da ein 7m langes Patch-Kabel dabei? - Leute, sogar meine Personenwaage im Badezimmer hat einen WLAN-Anschluss und ihr wollt tatsächlich 70 € für zusätzliche Hardware, damit ich den Receiver mit dem Internet verbinden kann um die HD-Programme sehen zu können? Nicht euer Ernst... Aber okay, bereits leicht genervt habe ich das Kabel quer durch die Wohnung verlegt und am Router angeschlossen. Gespannt schaltete ich den Receiver ein und wurde aufgefordert, einen Code einzugeben. Glücklicher- und dankenswerterweise hattet ihr, liebes Vodafone-Team, mir diesen Code bereits im Vorfeld per Post zugeschickt. Leider funktionierte er auch nach 5maliger Eingabe noch immer nicht, also rief ich euren Kundenservice an. Die nette, junge Mitarbeiterin erklärte mir dann, dass dieser Code erst nach Bereitstellung der Leistung ab Mitte April funktioniert. So so... Den Service testen kann ich also erst nach Ablauf der 14tägigen Vertragsrücktrittsfrist? Eure Kollegin erklärte mir dann, dass ihr das nicht so eng sehen würdet. Während des Gesprächs - oder vielmehr in der Zeit, die ich eurer doch recht nervtötenden Warteschleifenmelodie lauschen durfte - fiel mir in den Papieren auf, dass die HD-Option nicht gebucht sei. Darauf angesprochen erklärte mir die junge Frau, dass ich dazu eine 16.000er-Leitung benötige.

Ihr erinnert euch: Diese hatte ich mit gebucht! Sie erkannte ihren Fehler um aber direkt im Anschluss festzustellen, dass HD-Option bei mir nicht verfügbar sei. Irgendwas wegen Dämpfung der Leitung oder so. Merkwürdig, dass AppleTV mit der bisherigen 6.000er-Leitung problemlos HD-Filme streamt, das aber nur nebenbei. Fassen wir also zusammen: Ich hatte nun also einen Nicht-HD-fähigen Festplattensatellitenreceiver da stehen. Moment... Nein! Ich hatte zwei davon da stehen! Kurzum: Ich habe die Vertragsverlängerung rückgängig gemacht, ich hatte schließlich keinen Mehrwert. Eure Kollegin äußerte Verständnis und teilte mir mit, dass sie das entsprechend in die Wege leitet.

Eine Woche später erhielt ich von euch ein Schreiben, dass mein telefonischer Widerruf nicht akzeptiert wird. Ich müsse das schriftlich machen. Hallo??? Ich habe den Vertrag immerhin auch fernmündlich abgeschlossen und den Widerruf von eurer Mitarbeiterin bestätigt bekommen! Also habe ich euch einen Brief geschrieben. In diesem Brief widerrief ich Vodafone-TV, die 16.000er DSL-Leitung und aufgrund des zerrütteten Vertrauensverhältnisses kündigte ich den gesamten Festnetzvertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Vorab habe ich euch das Schreiben per Fax geschickt. Witzigerweise kommt bei der Faxnummer in der Fußzeile eures Briefbogens "Kein Anschluss unter dieser Nummer." Aber google ist bekanntermaßen unser Freund, sodass die korrekte Faxnummer zum Service-Center herauszufinden kein unüberwindliches Problem war. Fax raus, Brief raus, Hardware mit im Paket befindlichen Retourenschein zurück.

Anfang der Woche erhielt ich einen Anruf von euch. Ihr habt mir mitgeteilt, dass meine Kündigung angekommen und die Hardware bei euch im Haus sei. Die Vodafone-TV-Geschichte und 16.000er DSL sei storniert und mein Festnetzvertrag sei zu Ende August gekündigt. Ihr habt euch für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. Das fand ich sehr anständig von euch und ich war froh, dass wir die Trennung halbwegs wie Erwachsene über die Bühne gebracht haben.

Aber, mein liebes Vodafone-Team: Warum zum Kuckuck habt ihr mir heute die Hardware wieder zurückgeschickt? Warum schreibt ihr mir, dass ich die Rücksendehinweise beachten müsse und meine Rücksendung nicht angenommen werden könnte? Findet ihr das nicht auch ein wenig kindisch?

Ich schicke euch das Paket jetzt einfach nochmals zurück.

Euer enttäuschter Ex-Freund...

Sonntag, 14. April 2013

Alternative für Deutschland?

Der typische AfD-Wähler ist männlich, hat CDU/FDP-Biografie und buht gerne, berichtet Kristina Hof.

Ich habe heute im Laufe des Vormittags den Gründungsparteitag der Alternative für Deutschland via Social-Media-Monitoring beobachtet. Während die Twittergemeinde durchaus kritisch, sachlich und kontrovers über Sinn und Zweck der AfD und den Ablauf des Parteitags diskutierte, fand in Facebook überwiegend eine wenig differenzierende Phrasendrescherei statt, gerne auch unter Zuhilfenahme eines Vokabulars, das man eher von den extremistischen linken und rechten Rändern kennt.

Prof. Lucke bezeichnete seine Partei als weder links noch rechts, sondern als "eine Partei neuen Typs". Nun ja, das haben bereits viele Parteien getan, zuletzt auch die Piraten. Was von diesem zerstrittenen Häuflein derzeit übrig bleibt, ist kaum einer besonderen Erwähnung wert.

A propos: Erheiternd waren die vielfachen Forderungen einer Live-Berichterstattung durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Welch Hybris... Müsste man dann doch auch von Parteitagen der Partei bibeltreuer Christen, der MLPD, der Violetten und allen anderen "Sonstigen" Liveschaltungen machen.

Derzeit ordne ich persönlich die Partei dem rechten euroskeptischen Bereich zu. Sie hat kurzfristig als Protestpartei eventuell sogar die Chance, die 5%-Hürde zu knacken, mittelfristig dürfte sie aber keine allzu großen Chancen haben, sich zu etablieren.

http://t.co/a5GQq0LRUK
Erst die Zettel, dann der Inhalt - heute-Nachrichten

Donnerstag, 11. April 2013

Vom Wesen der Autorität

“Die wohlfeilste Art der Autorität hingegen ist die Amtsautorität. Denn sie verrät in dem alleinig damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften - Moral, Intellekt, Stärke und Größe - auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er per Zufall, Wahl oder Regelbeförderung erhalten hat. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die eigenen Fehler am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, worauf sich seine Autorität begründen könnte, ergreift das letzte Mittel, das Amt oder die Position, die er gerade inne hat, um Respekt einzufordern. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihm zu eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.”

Frei nach Schopenhauer, ursprünglich zum Thema Nationalstolz.

Sonntag, 7. April 2013

Akif Pirinçci - von Felidae zum offenen Rassismus

Wer kennt die Romane um den samtpfotigen Detektiv Francis und seinen menschlichen Dosenöffner? Felidae - Der Durchbruch des türkischstämmigen Autoren Akif Pirinçci kam 1989 und war der Grundstein für weitere Katzendetektivromane. Wäre er doch bloß dabei geblieben...

Leider fühlt sich der Autor seit 2012 bemüßigt, an Henryk Broders Blog "Die Achse des Guten" mitzuwirken. Broder, der in jeder kritischen Bemerkung über Israel Antisemitismus witternd Zeter und Mordio schreiend schon den Spiegel, die Welt und andere Blätter für seine kruden Thesen missbrauchte. Die proamerikanische und antiislamische Ausrichtung seines Blogs mag nicht weiter verwundern - wohl aber ein Beitrag Pirinçcis vom 25. März 2013 mit dem Titel "Das Abschlachten der Deutschen hat bereits begonnen" Link

Die körperlichen Reaktionen auf diesen Beitrag reichen zu Beginn von einem erheiterten Schmunzeln bis zum Brechreiz, wenn der Autor Gewalt entlang sozio-gesellschaftlicher Spannungslinien zwischen den Kulturen als beginnenden Genozid beschreibt. Man lasse sich folgendes (nach der Einnahme eines Antiemetikums) auf der Zunge zergehen:

"[...] Weil es sich bei der letztmaligen Tötung eines jungen Deutschen namens Daniel S. von Türken in Kirchweyhe im Grunde um einen beispielhaft evolutionären Vorgang handelt, nämlich um den schleichenden Genozids an einer bestimmten Gruppe von jungen Männern. Dabei ist nicht einmal die Tötung selbst von Interesse, so grausam sich das auch anhören mag, sondern das “Biotop”, in dem der Genozid stattfindet. Und noch mehr dessen Folgen. Die Tat reiht sich ein in eine Serie von immer mehr und in immer kürzeren Abständen erfolgenden Bestialitäten, die zumeist von jungen Männern moslemischen Glaubens an deutschen Männern begangen werden. (Es befinden sich unter den Opfern nie Frauen. Die werden in der Regel vergewaltigt, was auch banal evolutionär zu erklären ist, aber dazu später.)"

Die Tatsache der abnehmenden Straftaten gelassen ignorierend bedient sich Pirinçci jedes negativen Klischees gegenüber muslimischen Mitbürgern. Er belässt es hierbei nicht, nein, er führt noch weiter aus:

"Das Muster ist immer gleich. Eine Gruppe oder die herbeitelefonierte Kumpelschaar umstellt das Opfer nach der Jagdstrategie von Wölfen, wobei die Delta- und Betatiere stets außen herum laufen und für das einschüchternde Jagdgeheul sorgen und das Alphatier nach und nach von der Beute Stücke abzubeißen beginnt, bis am Ende alle über sie herfallen und hinrichten. Die Zahl der solcherlei Weise ermordeten Deutschen wird von offiziellen Stellen bewußt geheimgehalten, es ist aber wohl nicht übertrieben, wenn man taxiert, daß es sich um die Opferanzahl eines veritablen Bürgerkrieges handelt."

Hoppla. Opferzahlen werden geheim gehalten. Kein Wunder, dass er die "immer kürzer werdenden Abstände zwischen den Bestialitäten" nicht weiter belegt. Wie auch, sie werden verschwiegen, aber jeder weiß davon - weiß zumindest Pirinçci auf die fehlenden Belege angesprochen. Vermutlich ein genetisches Kollektivgedächtnis der Deutschen. Es wusste auch jeder, dass die Erde eine Scheibe ist und rothaarige Frauen verbrannt werden müssen. Ungeniert zerrt und rüttelt Pirinçci an den Grundfesten unserer Gesellschaft und wittert eine Verschwörung großen Stils. Unzweifelhaft beteiligt sich sogar die Springerpresse daran, die ansonsten keine Gewalttat in allen schillernden Farben darzustellen weiß und noch nie genüsslich auf den Migrationshintergrund von Straftätern hingewiesen hat. Logisch zu Ende gedacht haben wir nach Pirinçci eine staatliche Zensur. Merkwürdig, dass die Achse des Guten noch online steht...

Dass es sich bei den Übergriffen von Migranten gegenüber Deutschen - selbstredend auch umgekehrt - um ins mediale Rampenlicht (oh, warte! Doch keine Zensur?) gezerrte Einzelfälle handelt, schließt er mit seiner Polemik jedenfalls völlig aus. Auch die Wissenschaft kommt in Pirinçcis Generalabrechnung nicht ungeschoren davon:

"Die Theorie von einfühlsamen (deutschen) Soziologen, wonach diese bestialischen Jugendlichen sich in Wahrheit als Versager und Opfer der Gesellschaft vorkämen und ihr Blutrausch ein verzweifelter Aufschrei sei, ist natürlich eine von der Migrantenindustrie, schwachsinnigen Politikern und geisteskranken linken Medienleuten bestellte Lüge, die, obwohl niemand daran glaubt, nicht einmal sie selbst, dazu dienen soll, sozusagen das öffentliche “Branding” des armen, lieben Ausländers in das Hirn der Allgemeinheit zu penetrieren. Im Gegenteil, nicht einmal ein Milliardär mit dem Aussehen eines Ryan Gosling hat so viel Selbstbewußtsein wie ein Türke oder Araber, der einem Deutschen am Bordstein das Hirn aus dem Schädel tritt."

Über den Bildungshintergrund des Autoren ist nicht sehr viel herauszufinden. Wie wissenschaftliche Methode in den Sozialwissenschaften funktioniert, davon hat er aber bewiesenermaßen keinen blassen Dunst.

Nun, spätestens jetzt sollte es niemanden weiter verwundern, dass dieser Text in den Netzwerken der Rechten verbreitet und Pirinçci als neuer Star regelrecht gefeiert wird. Wenn sogar ein Türke das über seine Landsleute sagt, dann sind wir ja über den Verdacht rassistischer und volksverhetzender Aussagen erhaben.

Jochen Grabler von Radiobremen nahm Bezug auf den Blog. Link Er zog sich damit den maximalen Unmut Pirinçcis zu, der postwendend in der Achse des Guten antwortete. Das ganze unter dem wohklingenden Titel "Mit mir nicht, Du Vollpfosten!", der offensichtlich eine Nähe zur bildungsfernen Zielgruppe des Artikels konstruieren soll. Link In bewährter Stammtischmanier wird Grabler abgewatscht. Es wird der Eindruck erweckt, dass Pirinçci aufgrund seiner ethnischen Herkunft schließlich wisse, wie der Hase läuft und Grabler

"bei all seinem Gegen-Rechts-Maulheldentum kein einziges Mal sein Radio-Bremen-Büro verlassen hat und in die von mir genannten Brennpunkte gegangen ist. Er hat leidlich ein bisschen an seinem Laptop rumgespielt, um mit Textbausteinen aus dem grünparadiesischen Schreibprogramm über solche armen, armen Mitbürger mit Migrationshintergrund wie mich herzufallen, die man auch noch auf die rechte, oh Pardon, die einzig richtige Gesinnung zu schleifen gedenkt."

Nun denn, Herr Pirinçci, ich gehe davon aus, dass auch Ihr Machwerk mittels EDV entstanden ist. Und auch wenn Sie den Eindruck erwecken, dass Sie höchstpersönlich mit jedem brennenden Müllcontainer in den sozialen Brennpunkten Deutschlands auf Du und Du sind und Sie durch extrem männlich-markige Sprüche versuchen, besonders authentisch zu wirken, erhärtet folgendes bei reflektiert und differenziert denkenden Menschen nun wirklich nicht Ihre Glaubwürdigkeit.

"Ich bin weder Eva Herman noch ein verweichlichter Deutscher, der nun den geordneten Rückzug mit allerlei Entschuldigungen antreten wird. Fickt ihr mich, ficke ich euch!"

Und auch Ihre abschließende Floskel sorgt sehr viel mehr für Erheiterung denn für Sorgenfalten auf der Stirn:

"Und nicht vergessen, im Grunde meines Herzens bin ich immer noch Türke. Also aufgepaßt!"

Ob's Ihnen schmeckt oder nicht, mit dieser Hetzschrift haben Sie sich endgültig als pseudointellektueller Demagoge aus der tiefbraunen Schublade disqualifiziert und anstatt in Dialog mit der Wissenschaft, mit der Soziologie zu kommen, werden Sie künftig höchstens ihr Untersuchungsgegenstand. In diesem Sinne, genießen Sie Ihre 15 Minuten im Rampenlicht und ziehen Sie Ihre Befriedigung aus dem Sturm der Entrüstung. Schon nächste Woche wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben.

Diejenigen, die vermeintliche Wahrheiten in Pirinçcis Schriften sehen, sollten über folgendes Motto nachdenken:

Man möge Menschen nach ihren Taten und Einstellungen bewerten und nicht aufgrund ethnischer, kultureller und sozialer Herkunft oder gar der Haut-, Haar- und Augenfarbe vorverurteilen. Oder einfacher gesagt: Für mich ist ein Mensch ein [füge beliebiges Schimpfwort ein], weil er ein [wiederhole das Schimpfwort von eben] ist. Nicht, weil er aus [füge eine beliebige Nation oder soziale Schicht ein] kommt.



Donnerstag, 4. April 2013

Wenn der Tod billiger ist - Kliniken fürchten um ihre Existenz

Derart titelte NTV am 1. April. (Link) "Wie viel darf ein Menschenleben kosten? Für viele Kliniken in Deutschland wird das mehr und mehr zur Existenzfrage." Auch wenn das Datum einen makaberen Aprilscherz vermuten lassen könnte, so beschreibt der Artikel die traurige Realität.

Ein befreundeter Arzt kommentierte den Artikel auf Facebook wie folgt:

Nicht nur die großen Kliniken, auch die kleinen für die Grundversorgung sind massiv betroffen. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass ein Krankenhaus wirtschaftlich sein muss? Wenn ich einem Rentner das Leben rette ist das nie wirtschaftlich. Es belastet die Krankenkassen für die Behandlung und die Rentenkassen, weil sie länger zahlen müssen. Sollen wir da jetzt auch anfangen, volkswirtschaftlich zu denken? Als Arzt - NIEMALS!! Und auch niemand anders darf das. Aber die Politik verspricht alles, die Ärzte müssen (und wollen auch) behandeln, aber es darf nichts kosten. Und Schuld sind dann an der Misere die Leistungserbringer, die Nachts arbeiten und am nächsten Morgen dann als Kostentreiber angeprangert werden. Vielen Dank. - R. Clement


Er hat in meinen Augen völlig recht. Es ist an Zynismus nicht zu überbieten, Menschenleben monetär aufzurechnen. Mit Grausen erinnert man sich an das Unwort des Jahres von 1998. Sozialverträgliches Frühableben.

Wissenschaftlich ist es hinlänglich bewiesen, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens die meisten Kosten für die Sozialkassen nach dem Renteneintritt verursacht. Dies aber als Rechtfertigung zu nutzen, ab einem bestimmten Alter manch Behandlung nicht länger als wirtschaftlich zu betrachten ist Menschenverachtung in Reinkultur. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Philipp Mißfelders Ausspruch, dass die Solidargemeinschaft nicht durch künstliche Hüftgelenke für über 85jährige belastet werden dürfe... Ich befürchte, dass derart gefährliche Thesen vor dem Hintergrund des demographischen Wandels weiter an Auftrieb gewinnen werden. Sei es im Bereich der Rentenzahlungen, sei es im Bereich des pflegerischen Standards in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bis hin zu medizinischen Leistungen in Krankenhäusern.

Sicherlich ist der Anspruch der Gesellschaft auf wirtschaftlichen Umgang mit den endlichen Ressourcen der Sozialkassen gegeben. Misswirtschaft in den Kassen, in der Verwaltung und dergleichen mehr darf nicht vorkommen. Auch konnten in der Vergangenheit sicher einige Prozesse optimiert werden, um Kosten einzusparen. Aber niemals darf der Kostendruck zu Überlegungen führen, ob aus ärztlicher Sicht notwendige Behandlungen aus wirtschaftlichen Gründen durchgeführt werden können.

Das passiert nun mal  wenn Ethik auf Betriebswirtschaft im Kleinen oder Volkswirtschaft im Großen trifft. Wirtschaftsethik - ein Oxymoron?



Mittwoch, 3. April 2013

Happy birthday, iPad - Oder: Wie das iPad in 3 Jahren die Welt veränderte

Vor drei Jahren, am 3. April 2010, wurde das iPad auf den Markt gebracht.

Von den meisten Leuten zu diesem Zeitpunkt völlig unterschätzt. Wir haben es "das große Gähnen" genannt und meinten, dass Jobs irgend etwas vorgestellt hat, das vielleicht ein paar Millionen mal in diesem Jahr verkauft wird, also wesentlich näher an den Verkaufszahlen der Macs liegt als die Bestseller iPod und iPhone. Das würde nicht der nächste große Wurf der Firma werden.

Oops. Wir haben uns gründlich geirrt...

In diesen drei Jahren, seit das iPad erschienen ist, hat sich alles verändert. Es war das revolutionäre Gerät schlechthin. Hier ein kurzer Überblick:

Apple verkaufte 121 Millionen iPads, insgesamt 67,7 Milliarden $ Umsatz und es wird erwartet, dass 18 Millionen weitere alleine in diesem Quartal, also weitere 8 Milliarden $ umgesetzt werden.
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Das macht es zum am schnellsten wachsenden Technikprodukt aller Zeiten.
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Das iPad killte das Netbook. Als nächstes sind die Notebooks dran.
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Die PC-Industrie gerät wegen des iPads ins Wanken.
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Das einzige Wachstum im PC-Markt kommt von den Tablets.
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Der iPad-Umsatz ist größer als der Umsatz von Windows!
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Amazon ist mittlerweile ein Computer-Produzent und baut Kindle Fires, die ein iPad emulieren.
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So wie auch Google.
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Und natürlich auch Microsoft.
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Es hat schon seinen Grund, warum all diese Firmen angefangen haben, iPad-Möchtegerns zu produzieren. Das iPad ist allgegenwärtig. Es ist sogar in Flughafen-Terminals zu finden.
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Piloten nutzen iPads anstelle von dicken Büchern.
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Restaurants benutzen iPads.5862880088751384858.jpg

Es ersetzt Registrierkassen.
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Das erste iPad sah so aus...
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Jetzt sieht es so aus...
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Und das ist erst der Anfang... Denkt daran: Dieses Ding ist gerade einmal drei Jahre alt! Stellt euch vor, was die Leute in den nächsten drei Jahren alles damit machen werden!

Quelle: übersetzt aus bussinesinsider.com

Ich persönlich habe mir das iPad vor allem fürs Studium zugelegt. Ich möchte nicht ständig die Scripte mit mir herumschleppen, aber doch jederzeit Zugriff darauf haben. Da die Scripte in pdf-Form zur Verfügung gestellt werden, kann ich in Ihnen nach Herzenslust markieren, herummalen, Lesezeichen einfügen, kommentieren usw. Fürs effektive Lernen nutze ich virtuelle Karteikaten, die ich direkt beim Lesen aus den Scripten heraus anlege. All das könnte ich natürlich auch in Papierform - so aber ist es wesentlich komfortabler, ohne Eselsohren, ohne Sauklaue - und mit Volltextsuche!

Auch beruflich kommt das iPad immer öfter zum Einsatz. Bei einer Sitzung wird ein Protokoll von vor drei Jahren verlangt? Kein Problem! iPad ohne Bootvorgang starten und in wenigen Sekunden habe ich das Protokoll griffbereit aus der Dropbox gezogen. Ein Brainstorming und die Gedanken wollen geclustert werden? Mal kurz eine Mindmap zeichnen hilft. In einer Arbeitsgruppe wird ein konkreter Gesetzestext benötigt? Auch kein Problem. Mal eben vor wenigen Leuten eine Präsentation zeigen? Einem Freund die Bilder des letzten Urlaubs zeigen? Langeweile in der S-Bahn und keine Lust zu lesen? Dann wird eben ein Film geschaut.

Nun, all das könnte man auch ohne iPad schaffen. Das meiste ginge auch auf einem klassischen Notebook. Das iPad ist ein kleines Luxusobjekt. Es macht das Leben einfacher. Und ich möchte es nicht mehr missen.

Und natürlich das wichtigste: Nur mit dem iPad kann man so gechillt auf der Couch rumgammeln!

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Dienstag, 19. Februar 2013

Der Verein ist tot - es lebe der Verein!

Eine gute Ausarbeitung über das Vereinswesen in Deutschland von Hannes Jähnert.

http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2013/02/19/der-verein-ist-tot-es-lebe-der-verein/

Allerdings wage ich dem Abgesang Annette Zimmermanns auf Vereine, den sie aufgrund des Engagementberichts anstimmt, zu widersprechen und gelange zu einer anderen Schlussfolgerung als der Autor, der seinen Schwerpunkt auf die künftige Bedeutung von netzbasierenden (Protest)Bewegungen legt.

Zweifelsohne ist folgendes Statement richtig: "Der Business Talk hat längst Einzug gehalten in die Welt der Vereine, die eigentlich keine mehr sind, sondern Initiativen, Projekte, NGOs und Sozialunternehmen, die professionell geführt, ihre Anliegen werbewirksam vermarkten und sich über Events, Kampagnen und Verkäufe von Merchandise finanzieren." Warum aber, so frage ich, muss eine zunehmende Professionalisierung automatisch negativ gesehen werden? Schlussendlich muss die Arbeit der Vereine, die vielfach (staatliche) Aufgaben im Bereich der Daseinsvorsorge, in der Wohlfahrts- und Sozialarbeit übernehmen bei einer Verknappung staatlicher Mittel gegenfinanziert werden.

Den Untergang der klassischen Vereine zu propagieren halte ich vor den gesellschaftlichen Umwälzungen, die nicht zuletzt wegen des demographischen Wandels auf uns zu kommen werden, für falsch. Im Gegenteil: Wir werden uns als Gesellschaft wieder auf gemeinschaftliche Werte besinnen müssen, wenn die Prognosen recht behalten und sich ab 2050 das Verhältnis der Menschen über 65 Jahren zu Menschen im Alter von 20 bis 64 Jahren verdoppelt haben wird. Dieses Ungleichgewicht von Einzahlern in Sozial- und Rentenkassen und Leistungsempfängern wird unabhängig von blümigen Versprechungen wie "die Renten sind sicher" zu empfindlichen Verringerungen staatlicher Leistungen und zu einer zwingenden Notwendigkeit von klassischer Vereinsarbeit führen. Wer, wenn nicht Vereine und ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger, wird in der Zukunft dafür sorgen, dass im Sozial- und Gesundheitswesen nicht alleine der Kostendruck die Qualität der Daseinsvorsorge bestimmt?

Wir alle können selbst bestimmen, wie die Zukunft unseres gesellschaftlichen Miteinanders aussieht. Für mich sind Vereine daher eine zwingende Notwendigkeit und eine logische Konsequenz.

Donnerstag, 31. Januar 2013

Dirndl-Gate

Gestern meinte ein Kollege, sich als Mann zu der Sexismus-Debatte zu äußern, käme Blinde-Kuh-spielen im Minenfeld gleich. Völlig zu Recht wirft Birgit Kelle in einer Kolumne die Frage auf, ob wir diese Debatte auch führen würden, hätte nicht Rainer Brüderle sondern George Clooney derartige Avancen gemacht. Zum Glück stellt eine Frau diese Frage, jeder Mann wäre unter dem Hashtag #Aufschrei bei Twitter virtuell kastriert, geteert, gefedert und gevierteilt worden.

Gerade die über Twitter geführte Debatte habe ich einige Zeit mitverfolgt. Hier einige Stilblüten:








Glücklicherweise haben wir den Artikel 5 des Grundgesetzes. Glücklicherweise darf ich eine Meinung zu dieser Debatte haben, auch als Mann. Der #Aufschrei bei Twitter ist ein gefährliches Konglomerat. Sexismus, sexuelle Übergriffe, Pädophilie werden in einen Topf geworfen und kräftig zu einer explosiven, gesellschaftsspaltenden Brühe verrührt. Interessanterweise handelt geschätzt gerade einmal jeder 200. Tweet tatsächlich von einem Vorfall, den eine Frau als Sexismus oder Übergriff empfunden hat. Der Rest ist schlichte Diskussion bzw. private Meinungsäußerung der User. Die tatsächlichen #Aufschrei-Tweets sind zu 99% von der Qualität der obigen Stilblüten. Ob diese nun als Lappalien zu bewerten sind oder nicht, dieses Urteil überlasse ich dem Leser.

160.000 Tweets zum Thema #Aufschrei. Ein klarer Beweis dafür, dass Sexismus ein Alltagsproblem in Deutschland ist, so die vorherrschende Meinung in Presse und Feministenbewegungen. Falsch. Ein klares Beispiel dafür, wie die sogenannte Qualitätspresse gezielt eine Debatte über das zugegebenermaßen unhöfliche Verhalten eines alternden Politikers in Zeiten des beginnenden Wahlkampfs lanciert. Ich will es nicht schön reden, sexualisierte Gewalt, Übergriffe und jedes unerwünschte Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen ist verachtenswert. Auch mag jeder Mensch die Grenze für sich selbst definieren, wo tatsächlich der Tatbestand der (verbalen) Belästigung anfängt, muss sich dann aber unter Umständen die Frage nach einer gewissen Überdramatisierung gefallen lassen.

Gestehen wir uns ein, dass die Realität, somit auch meine eigene, stets subjektiv eingefärbt ist, dennoch halte ich Sexismus in Zeiten, in denen RTL-Formate wie Bauer sucht Frau deluxe (a.k.a. Bachelor) Hochkonjunktur und 7stellige überwiegend weibliche Zuschauerzahlen haben, in denen Pro7 mit Stereotypen wie in "The beauty and the nerd" erfolgreich an den Start geht und "Germanys next Topmodel" in der gefühlt 789. Staffel aufgelegt wird, für eine scheinheilige, verlogene Debatte. In Zeiten, in denen sich Romane wie die Twighlight-Saga oder Hausfrauenpornos wie Shades of Grey in die Bestsellerlisten schieben, in denen es schlussendlich um nichts anderes geht als um das Rollenverständnis zwischen Mann und Frau und sich die Hauptprotagonistinnen nur zu gerne dem Mann und seinem Willen unterwerfen, belegt #Aufschrei lediglich, dass es erneut eine kleine Minderheit dank sozialer Medien geschafft hat, einem Thema überproportional viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Wieder ein Beispiel dafür, wie soziale Medien geschickt durch einige wenige Demagogen oder in diesem Fall Demagoginnen (um dem Gendermainstreaming gerecht zu werden) genutzt werden um ein Problem aufzublasen, dem empirischen Forschungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht die Bedeutung beimessen würden, die es jetzt erhält. Von den Piraten als erfolgreiche "Internetdemonstration" gefeiert, fällt mir abschließend nur noch dieses Zitat ein:

Jeder übermäßig großen Versammlung gleichdenkender Individuen, und seien ihre Absichten auch noch so rechtschaffen, haftet ein Hauch von Lynchmob oder Lemming-Wanderung an.

P. J. O'Rourke


Dienstag, 8. Januar 2013

Vom übermäßigen Gebrauch von Fremdwörtern


‎"Das führt uns nicht nur zur Streitfrage einer konstruktivistischen Medientheorie, sondern auch zu noch grundsätzlicheren erkenntnistheoretischen und epistemologischen Problemen." 

Über diesen Satz stolperte ich heute Nachmittag in meinen Studienunterlagen. Zugegebenermaßen musste ich nachschlagen (ok, ok, ich habe gegoogled), was denn unter Epistemologie zu verstehen sei. Ich war sehr irritiert, als ich herausfand, dass die Epistemologie synonym für Erkenntnistheorie verwendet wird. - Nun lesen wir den ersten Satz noch einmal...

Hierzu fällt mir spontan Marcel Reich-Ranicki ein, der Arbeiten von Literaturwissenschaftlern folgendermaßen be-, wenn nicht sogar aburteilte:

"Ihre Arbeiten, voll von Fremdwörtern und Fachausdrücken, deren Notwendigkeit in der Regel nicht einleuchtete, waren für die meisten Leser unverständlich"